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Senioren und digitale klinische Studien – Chancen und Herausforderungen

Erstellt am: 05.12.2021

 

Deutschlands Bevölkerung wird älter, klinische Studien werden digitaler – und digitale klinische Studien sowie DCTs (Decentralized Clinical Trials) bieten neue Möglichkeiten für die Einbindung älterer Menschen in die Forschung. Doch was benötigen Seniorinnen und Senioren, um sich aktiv an einer digitalen klinischen Studie zu beteiligen? Ein Überblick über Herausforderungen, Lösungen und Potenziale.

 

Der demografische Wandel verändert die Durchführung klinischer Studien

Deutschland gehört mit einem Durchschnittsalter von 45,7 Jahren zu den ältesten Ländern der Welt. Bereits 2019 waren über 18 Millionen Deutsche 65 Jahre oder älter – Tendenz steigend. 

Aufgrund der geringen Geburtenrate und steigenden Lebenserwartung werden die Deutschen in den nächsten Jahren weiter altern. Experten prognostizieren, dass die Zahl der über 67-Jährigen von 2020 bis 2060 von 16,2 auf 21,4 Millionen Menschen wächst. Zum Vergleich: Die Gruppe der unter 20-Jährigen schrumpft von 15,3 auf 14,1 Millionen, ebenso wie die Altersklasse der 20- bis 67-Jährigen von 51,8 auf 42,7 Millionen.

Parallel dazu schreitet die Digitalisierung in der medizinischen Forschung voran. Immer mehr Daten werden im Rahmen einer digitalen klinischen Studie per App oder Wearable erhoben. Die Durchführung klinischer Prüfungen verlagert sich zunehmend in den Alltag der Teilnehmenden – ein zentraler Ansatz der dezentralen klinischen Studien (DCTs).

Dieser demographische Wandel hat auch Einfluss auf digitale klinische Studien. Potenzielle Patientinnen und Patienten werden im Laufe der kommenden Jahrzehnte immer älter und mit dem Alter steigt die Gefahr für schwere Erkrankungen. Bereits jetzt werden viele Daten im Rahmen von Studien mithilfe von mobilen Geräten wie Smartphones oder Tablets erhoben, oft verwenden Patienten dafür ihre eigenen Geräte.

Doch wird sich dieses Verfahren fortführen und erweitern lassen, wenn Studienteilnehmer immer älter werden? Wie sehr sind sie in das digitale Leben involviert? Und warum sollten sie von digitalen Studien nicht ausgeschlossen werden?

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Senioren und digitale Technologien: Eine wachsende Zielgruppe für DCTs

Die Frage ist: Können ältere Menschen mit diesen Technologien umgehen? Die Antwort lautet: ja – mit wachsendem Potenzial. Tatsächlich nimmt die Internetnutzung von Senioren von Jahr zu Jahr zu. Eine aktuelle Studie der Initiative D21 zeigt, dass 85 Prozent der 60- bis 69-Jährigen im Internet surfen, 72 Prozent nutzen dieses mobil. Bei den über 70-Jährigen ist mehr als die Hälfte der Befragten im Netz unterwegs, 36 Prozent verwenden mobile Geräte.

Neben dem Alter entscheidet laut D21 auch die Bildung über den Zugang zum Internet. Menschen mit einem hohen Bildungsgrad nutzen zu 98 Prozent das Internet und zu 90 Prozent mit mobilen Geräten. Hingegen sind nur 70 Prozent der Bürgerinnen und Bürger mit niedriger Bildung im Internet unterwegs, 60 Prozent surfen mobil.

Zudem ist davon auszugehen, dass die Internetnutzung von Seniorinnen und Senioren in den nächsten Jahrzehnten weiter steigt. Denn für Frauen und Männer zwischen 40 und 60 Jahren, den Senioren von morgen, gehört das Internet längst zum Alltag.

So ergab eine Auswertung des Statistischen Bundesamts, dass mit 12,7 Millionen Menschen die 50- bis 59-Jährigen zur Altersgruppe mit den meisten Internetnutzern zählt, gefolgt von den 40- bis 49-Jährigen mit 10,6 Millionen. Bereits jetzt nutzen laut dem Statistischen Bundesamt annähernd 100 Prozent der 14- bis 59-Jährigen das Internet.

 

DCTs und der Zugang zu klinischer Forschung im Alter

DCTs bieten einen neuen Ansatz zur Durchführung klinischer Studien, bei dem der Besuch im Studienzentrum reduziert oder ganz ersetzt werden kann. Gerade für ältere Menschen mit eingeschränkter Mobilität kann dies ein großer Vorteil sein. Die Möglichkeit, bequem von zu Hause aus an einer digitalen klinischen Studie teilzunehmen, macht die Forschung nicht nur zugänglicher, sondern auch inklusiver.

Damit dies gelingt, müssen die Lösungen jedoch verständlich, sicher und benutzerfreundlich gestaltet sein. Eine digitale Anwendung muss intuitiv bedienbar sein und gegebenenfalls durch persönliche Betreuung ergänzt werden. Nur so können Seniorinnen und Senioren erfolgreich eingebunden werden.

 

Neue Technologien als Schlüssel zum Erfolg digitaler Studien

Studien zeigen, dass der regelmäßige Umgang mit Technologien wie Smartphones oder Tablets die kognitive Leistungsfähigkeit von Senioren positiv beeinflussen kann. Die kognitiven Fähigkeiten ihres Gehirns verbesserten sich, weil die Beschäftigung mit neuen Funktionen ältere Menschen herausforderte.

Davon profitieren digitale klinische Studien. Damit ältere Patientinnen und Patienten motiviert werden, an den Erhebungen teilzunehmen, sollte der Einsatz von BYOD-Geräten (Bring your own device) gefördert werden. Die Nutzung ihrer eigenen Smartphones oder Tablets erleichtert Senioren die Teilnahme, da sie das Gerät kennen und keine technische Einweisung benötigen.

Das schließt eine sorgfältige Einweisung in die Funktionen der Apps für digitale klinische Studien nicht aus. Eine einfache Handhabung der Funktionen lässt das Interesse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer steigen. Wer hingegen das Programm nicht versteht, die Eingabe der eigenen Daten als zu kompliziert empfindet, wird schneller aufgeben und die Studienteilnahme vorzeitig abbrechen.

Ein weiterer Erfolgsfaktor: Transparente Kommunikation. Wer ältere Patientinnen und Patienten über Ziele, Datenschutz und mögliche persönliche Erkenntnisse informiert, stärkt das Vertrauen und steigert die Motivation zur Teilnahme.

 

Fazit: Digitale klinische Studien für alle Generationen

Der Trend zur digitalen klinischen Studie und die Verbreitung von DCTs bieten neue Chancen für die moderne klinische Forschung. Auch ältere Menschen können und wollen Teil dieser Entwicklung sein. Durch benutzerfreundliche Lösungen, digitale Unterstützung und ein klares Verständnis für ihre Bedürfnisse lassen sich Seniorinnen und Senioren erfolgreich in klinische Studien einbinden.

So leben ältere Menschen heute nicht nur gesünder und sportlicher als vor fünfzig Jahren, ihr persönliches Wohlbefinden, ihre körperliche und geistige Gesundheit spielt für sie eine entscheidende Rolle. Eine Aufklärung über Funktionen, Datennutzung und Studienziele steigert die Motivation der Teilnahme zusätzlich. Erhalten ältere Patientinnen und Patienten die Chance, mehr über ihre Gesundheit und deren Entwicklung zu erfahren, sehen sie neben dem wissenschaftlichen einen persönlichen Sinn für ihre Partizipation.

Das Alterswachstum der Bevölkerung muss kein Hindernis für die digitale Durchführung klinischer Studien sein. Wer Seniorinnen und Senioren in ihrem persönlichen Alltag abholt, deren Geräte einbindet und sie sorgfältig über Nutzung der Apps und Chancen der Studie aufklärt, erhält die Chance, motivierte und interessierte Patienten zu gewinnen.